Deutsch-Französische Agentur für den Austausch in der beruflichen Bildung

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News für Azubis

Der Austausch fördert die persönliche Entwicklung und interkulturelle Kompetenz der Nachwuchsfachkräfte bei BASF

Alexander Karle ist Ausbilder für Chemikanten am BASF-Standort Ludwigshafen. Seit vielen Jahren führt BASF ProTandem-Austausche mit dem Institut Supérieur de Plasturgie d’Alençon durch. Neben seiner Tätigkeit als Ausbilder ist Alexander Karle für die Projektleitung des Austauschprogramms bei BASF zuständig. Als Chemikant gestartet, hat Karle sich zum Industriemeister in der Fachrichtung Chemie mit pädagogischer Zusatzqualifikation weitergebildet. Nach Stationen in der Forschung und der Produktion im Unternehmen wechselte er 2013 zur Ausbildung. Im Interview verrät Karle, weshalb die deutsch-französischen Azubi-Austausche bei BASF inzwischen Tradition haben, wie Unternehmen und Azubis davon profitieren und welche Kompetenzen die angehenden Chemikanten und Chemielaboranten im Ausland erlernen.

Hallo Herr Karle! Toll, dass Sie Zeit für unser Interview gefunden haben. Gerne würden wir mehr darüber erfahren, wie Azubi-Austausche aus Sicht eines Unternehmens wie BASF wahrgenommen werden. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 118.000 Mitarbeiter, am Standort Ludwigshafen arbeiten rund 40.000 Mitarbeiter. Seit über 20 Jahren nimmt BASF an deutsch-französischen Azubi-Austauschprogrammen von ProTandem teil. Wie kam es zur Entscheidung für die Austausche?

Alexander Karle: Es gab diverse Gründe, Auszubildende über mehrere Wochen in Gastbetrieben des Nachbarlandes Berufserfahrung sammeln zu lassen. Vor allem durch die Nähe des BASF-Standorts Ludwigshafen zu Frankreich lag die Teilnahme am Austauschprogramm von ProTandem für uns besonders nahe.

Wie viele Azubis vertraut BASF pro Jahrgang französischen Gastbetrieben an?

Alexander Karle: Von BASF gehen über das Programm von ProTandem jährlich zwölf Azubis aus allen Bereichen nach Frankreich.

Gibt es ein bestimmtes Unternehmen, das Ihre Azubis während ihres Aufenthaltes aufnimmt?

Alexander Karle: Wir arbeiten seit acht Jahren sehr erfolgreich mit ISPA, Institut Supérieur Plasturgie d´Alençon, in der Normandie zusammen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit den ProTandem Mobilitätsprogrammen gemacht? Warum halten Sie ProTandem seit 20 Jahren die Treue? 

Alexander Karle: Unsere Erfahrungen sind sehr gut! Wir haben immer einen Ansprechpartner, der bei Rückfragen ein offenes Ohr hat. Sobald irgendwo der Schuh drückt, wird das Problem schnell gelöst. Bei unseren anderen Austauschprogrammen in Norwegen und Spanien arbeiten wir mit dem Erasmus-Programm der EU zusammen. Als wir mit dem Frankreichaustausch gestartet sind, waren diese allerdings noch nicht so weit. Unsere Erfahrung ist, dass es bei ProTandem, ganz im Sinne des deutsch-französischen Vertrags, nicht nur um berufliche Mobilität, sondern vor allem um das Kennenlernen unseres Nachbarlandes und dessen Jugend geht.

Welche Vorteile sehen Sie für Unternehmen, die an solchen Austauschen teilnehmen?

Alexander Karle: Wir wollen als Unternehmen attraktiv für Auszubildende, Experten und Fachkräfte sein. Deshalb bieten wir unseren Auszubildenden nicht nur Entgelt, sondern auch die Möglichkeit, während der Ausbildung ins Ausland zu gehen. Gerade heute, da Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branche in Konkurrenz um die besten Nachwuchsfachkräfte stehen, sind solche Angebote neben den vielfältigen Karrieremöglichkeiten bei uns ein Wettbewerbsvorteil. Außerdem freut es uns als Unternehmen ganz besonders, dass wir im Laufe der Jahre freundschaftliche und langfristige Beziehungen zu unseren französischen Partnerunternehmen aufbauen konnten.

Und welchen Mehrwert bieten die Austausche für die Azubis?

Alexander Karle: Unsere Auszubildenden nehmen viel für ihre persönliche Entwicklung mit, blicken über den Tellerrand, lernen gleichaltrige Jugendliche kennen und stellen fest, dass sie im Grunde dieselben Sorgen und Probleme mit den jungen Französinnen und Franzosen teilen, gleichzeitig aber auch sehr ähnliche Interessen haben. Ich kenne viele Beispiele für Freundschaften, die während des Austausches entstanden sind und immer noch bestehen. Das finde ich bemerkenswert. Außerdem haben die Auszubildenden während des dreiwöchigen Austausches Gelegenheit, in die französische Kultur einzutauchen.

Damit ließe sich der Frankreichaustausch ja fast als eine Art interkulturelles Training bezeichnen. Welchen Stellenwert messen Sie als Projektverantwortlicher der Interkulturellen Kompetenz bei?

Alexander Karle: Der Erwerb interkultureller Kompetenz hat in unserem Unternehmen einen sehr hohen Stellenwert. Man lernt ein Land am besten kennen, baut Verständnis auf und Vorurteile ab, wenn man es bereist.

Ihr Austausch richtet sich an Azubis, die eine Laufbahn als Chemikanten beziehungsweise Chemielaboranten anstreben. Was hat sich in diesen Berufen in den vergangenen 10 Jahren verändert und inwiefern sind es dieselben Veränderungen in Deutschland und Frankreich?

Alexander Karle: Das ist korrekt. Die Teilnehmer des Austauschs kommen meist aus diesen Berufsfeldern. Das passt zum Austauschmotto: „Kunststoff, vom Erdöl zum Endprodukt“ - wobei BASF unter anderem Kunststoffe herstellt, und die ISPA die anschließende Verarbeitung übernimmt. Beide Berufe erfahren im Moment einen Umbruch hin zu mehr Digitalisierung. Es gibt viele Beispiele für die Einführung neuer Techniken wie zum Beispiel den Einsatz von VR-Brillen, der 3D-Druck-Technik, Tablets oder Hololens. Über solche Veränderungen tauschen sich unsere Azubis mit den Ausbildern und den französischen Azubis in den Partnerbetrieben aus. Durch die gemeinsamen Herausforderungen und Veränderungen im Berufsalltag ist das Eis im Nu gebrochen.

Vielen Dank für dieses spannende Interview Herr Karle! Wir wünschen Ihnen für die Zukunft der ProTandem-Austausche alles Gute und allen Azubis der BASF eine ereignisreiche und unvergessliche Zeit in der Normandie!